Das unrunde Spiel von der britischen Insel
Bowls Club Meppen-Nödike: Einzigartig in Deutschland

Meppen (ikr) – Wer in Deutschland Freiluft Crown Green Bowls, ein Rasenbowling, spielen möchte, muss nach Meppen kommen. Woanders hätte er keine Chance, es sei denn, er gründet einen eigenen Verein.

Lothar Becker vom Bowls Club Meppen-Nödike (BCMN) ist stolz darauf, Vorsitzender von Deutschlands erstem und – bis jetzt – wohl einzigem Verein dieser speziellen Variante des Rasenbowlings zu sein. Der Sport kommt von der britischen Insel. Hier haben Brigitte und Josef Hasheider aus Meppen das Spiel mit der unrunden Kugel kennen und lieben gelernt und beschlossen, es mit in die emsländische Heimat zu nehmen.

Das Ehepaar fand in Mechtild und Benno Klus sowie Elke Hempelmann schnell Mitstreiter, die auch heute noch der Sportart treu sind. Das Engagement führte schließlich dazu, dass vor gut fünf Jahren der BCMN gegründet werden konnte. Die Mitgliederzahl wuchs schnell heran. Heute hat der Verein die stattliche Anzahl von 53 Mitgliedern. Allerdings, in den ersten Jahren war echte Pionierarbeit zu leisten. Zunächst galt es, einen geeigneten Platz zu finden.

Lothar Becker: „Bauer Brüning in Nödike sagte uns nicht nur Unterstützung zu, sondern stellte uns schließlich auch die Clubfläche zur Verfügung.“ Auch die Tourist Information Meppen (TIM) stand hilfreich zur Seite. Becker: „Unsere Idee ist ja auch wirklich ein gutes Angebot für Gäste und Touristen.“ Die Anlage des 40 x 40 Meter großen Spielfeldes sollte sich allerdings als Wissenschaft für sich erweisen.

Ulla Kröger: „Ein Brunnen musste gespült werden, eine Pumpe musste her, damit das Spielfeld regelmäßig und gleichmäßig gesprengt werden kann.“ Und dann die Rasenmäher. Inzwischen hat der BCMN mehrere Spezialmäher für das „Green“, wie das Spielfeld genannt wird. Sämtlich handelt es sich um Spezialgeräte, die original von der britischen Insel kommen. Und auch die Kugeln für das Spiel kommen aus Groß Britannien.

Diese sind in der Tat etwas ganz besonderes. Lothar Becker: „Sie haben eine leichte Unwucht, da sich in ihnen ein exzentrisches Gewicht befindet.“ Mit diesen „unrunden“ Kugeln wird der gelbe „Jack“ gejagt. Doch sind nicht nur die Kugeln mit dem exzentrischen Gewicht ein Handicap, sondern auch das besonders angelegte Spielfeld erweist sich als tückisch. In der Mitte ist es nämlich leicht erhöht. „Man kann es sich wie eine abgeflachte Pyramide vorstellen“, erklärt Lothar Becker. „Je nach dem, wie man die Kugel dreht, kann man die Unebenheiten des Platzes ausgleichen.“ Kassenwartin Thea Klemz scherzt: „Das klingt alles ganz einfach, aber wir arbeiten schon gut vier Jahre daran und kriegen das immer noch nicht richtig hin.“

Dabei sind die Spielregeln recht einfach und von jedermann leicht zu erlernen. Jeder Spieler versucht mit seinen zwei eigenen Kugel möglichst nah an den „Jack“, eine gelbe Kugel, heranzurollen. Kniffelig wird das Unterfangen durch die beiden bereits beschriebenen Handicaps. Dadurch wird das Spiel spannend und in gewisser Weise unberechenbar. Green Bowls-Spielerin Ruth Lenz schätzt den Sport allerdings auch aus einem anderen Grund: „Mir gefällt, dass es eine Sportart ist, die man draußen ausüben kann.“

Wer sich in Meppen im Rasenbowling versuchen möchte, muss nicht zwingend Clubmitglied sein. „Nach Anmeldung und Entrichten einer Gebühr von fünf Euro pro Person, darf jeder bei uns für etwa zwei Stunden spielen“, nennt Thea Klemz das Angebot, das sowohl für Touristen als auch für Einheimische interessant ist. „Wir haben inzwischen einen Fundus an Leihkugeln, die wir zur Verfügung stellen können.“ Und auch der Ferienhof Brüning hat für seine Gäste zehn Kugel angeschafft, die ausgeliehen werden können.

Sogar ein Gast aus Australien habe bereits auf dem Meppener „Green“ gespielt und das tiptop gepflegte Areal gelobt. Für die akribische Pflege des Rasens sorgt Platzwart Georg Kröger. Zwei Mal pro Woche ist gründliche Pflege ein Muss - mindestens. Auch die Wartung der britischen Spezialgeräte und Maschinen geschieht in eigener Regie. „Weltweit gibt es rund 5000 Green Bowl Clubs“, weiß Lothar Becker. „Die meisten existieren in England, Schottland und Irland. Es folgen Australien, Neuseeland und die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong.“ Verwandte Sportarten sind Flat Bowls oder Indoor Bowls. „Wir wünschen uns, dass unsere Sportart durch die Vorstellung in ‚EL am Mittwoch‘ mindestens im Emsland populärer wird“, wünscht sich Becker für den Verein.

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Der BCMN bietet jeden Freitag ab 16.30 Uhr auf dem Spielfeld am Ferienhof Brüning eine Schnupperstunde für Jedermann an. „Das erste Mal spielen ist frei“, sagt Thea Klemz. Zusätzlich ist das Spielfeld jeden ersten Samstag im Monat ab 15 Uhr offen für alle Spieler. Die Vereinsmitglieder haben wöchentlich feste Termine oder treffen individuelle Verabredungen. „Einige von uns spielen vier Mal pro Woche“, berichtet Brigitte Becker. Der letzte Mittwoch im Monat gehört ab 19 Uhr den Frauen. Gespielt wird, solange es das Wetter zulässt.

Im Winter setzt der Bowls Club auf gesellige Termine. Da wird gemeinsam gekocht oder es werden Spieleabende veranstaltet. Ein Ergebnis des letzten Winters stellt das neue Spiel „Bowls target“ dar. „Es ist eine neue Form des Zielbowlings“, sagt Lothar Becker. Dazu hat der BCMN einen Teppich mit seinem Wappen anfertigen lassen. „Das ist die Zielscheibe“, erklärt er. Die einzelnen Bereiche des Wappens sind in verschiedene Punktzonen eingeteilt. Diese neue Variante verspricht viel Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie.

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Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie verspricht das selbst ausgedachte Spiel „Bowls target“. Kroehnert-Fotos

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Elke Hempelmann versucht, ihre Kugel möglichst nah an den „Jack“ zu rollen. Jeder Spieler hat zwei Versuche.